Eine Wohnung ist der erste Schritt in die Unabhängigkeit – Erlebnisbericht einer jungen Mutter


Ich bin 35 Jahre alt und habe einen kleinen Sohn. Geboren und aufgewachsen bin ich hier in Ravensburg. Es hat sich herausgestellt, dass mein Mann mich betrogen und belogen hat. Er hat mich in jeglicher Art misshandelt. Gewalt war an der Tagesordnung. Man kann es nicht nachvollziehen, warum man überhaupt solche Dinge über sich ergehen lässt. Der eigene Mann ist jemand, dem man eigentlich vertrauen sollte. Gleichzeitig war er auch jemand, dem man hätte nie begegnen wollen.

Dank mir nahestehender Menschen habe ich es doch geschafft, im August 2011 ins Frauenhaus zu gehen. Das Frauenhaus gewährte mir ein "vorübergehendes" Zuhause. Ich wurde dort mit offenen Armen aufgenommen und man half mir mein mittlerweile chaotisches Leben in geordnete Bahnen zu bringen. Es war sehr schwer, diesen Weg zu beschreiten. Die Unterstützung für Frauen in diesen Situationen ist enorm wichtig. An erster Stelle Mut zu zusprechen. Ich wurde wortwörtlich aufgefangen.

Es hat sich im Frauenhaus herausgestellt, dass mein Sohn emotional sehr viel Unterstützung braucht. Meine Erziehung fruchtete bei ihm überhaupt nicht. Ich konnte ihn nicht mehr erreichen. Er hatte emotionale Bindungsstörungen und alle Hinderungen basierten auf diesem Problem. Mir wurde empfohlen, einen 4-wöchigen Aufenthalt in einer Eltern-Kind-Station wahrzunehmen. Dort kann man eine Diagnose erstellen lassen und die ersten Schritte eines Hilfeplans wahrnehmen. Ich war zu jeder Lösung bereit. Das Problem war nur, dass mein Zimmer im Frauenhaus nach 4 Wochen hätte besetzt sein können. Es war jedoch wichtig, dass ich diese Diagnostik schnell wahrnehme. Ich saß zu dem Zeitpunkt zwischen zwei Stühlen und wusste nicht mehr weiter.

Die Sonja Reischmann Stiftung hat mir zu dem Zeitpunkt sehr geholfen. Ich habe die 1-Zimmer Wohnung sofort zugesagt bekommen. Ich war so erleichtert. Ich hatte eine Wohnung und konnte diese Klinik mit meinem Sohn besuchen. Ich konnte endlich aufatmen. Die ersten Schritte waren zumindest vollbracht. Die erste Zeit war sehr schwer für mich. Jedoch habe ich in der Klinik meine mittlerweile allerliebste Freundin kennengelernt, die auch alleinerziehend ist. Und wie sich herausgestellt hat, wohnt sie ganz in der Nähe.

Vor meiner neuen Wohnung befand sich ein toller Spielplatz fast vor der Tür. Es war einfach sehr gut für uns dort zu wohnen. Ich konnte mir Zeit lassen, mich erst mal zu erholen und ohne Druck eine Wohnung zu suchen. Die Sonja Reischmann Stiftung schaute danach, dass ich alles da habe und sie fragten immer wieder nach, ob ich etwas brauche. Sie erkundigten sich regelmäßig nach meinem Wohlbefinden und nach Fortschritten.

Ich war nicht alleine! Nicht alleine zu sein ist für Frauen wie mich ein sehr wichtiger Punkt. Die größte Angst ist es, alleine diesen Weg zu beschreiten und das ist ein Hinderungsgrund sich zu befreien. Wenn ich gewusst hätte, dass es so viele Menschen gibt, die einem so liebevoll zur Seite stehen und einem die Angst nehmen, hätte ich schon viel früher diesen Schritt gewagt. Ich habe in einem Jahr in dieser Wohnung (ganz wichtig in Ruhe) viele Probleme, viele Ängste bewältigen können.

Ich habe nun auch mit der Hilfe der Sonja Reischmann Stiftung eine dauerhafte, schöne Wohnung bekommen.

Alleine war es für mich nicht möglich gewesen, eine Wohnung für uns zu finden. Auch die anderen Frauen im Frauenhaus hatten es sehr schwer eine Wohnung zu finden. Vielleicht könnte man auch in diesen Belangen einiges tun. Eine Wohnung ist der erste Schritt in die Unabhängigkeit. Sie gibt Mut, Hoffnung (dass alles besser wird), Zuflucht und vor allen Dingen Selbstvertrauen.

Ich habe die Wohnung genauso gestaltet, wie ich es mir immer gewünscht habe. Ich danke der Sonja Reischmann Stiftung, dass sie mir auch geholfen hat, diese Wohnung zu bekommen. Es bedeutet für mich wirklich sehr viel. Für meinen Sohn bedeutet es sehr viel ein eigenes Zimmer zu haben, ein eigenes Bett zu haben. Komischerweise hat er sich über die Küche am meisten gefreut. Er ist eben ein außergewöhnlicher Junge. Ich weiß natürlich auch, dass er sich dabei einfach nur für mich gefreut hat. Und seine Worte waren: "Oh Mama, endlich haben wir auch ein schönes Zuhause, ich freu mich so."

Jetzt, nach einem Jahr in der Wohnung der Sonja Reischmann Stiftung, sagen mir viele, dass bei uns eine große, positive Veränderung stattgefunden hat. Das fühle ich natürlich auch. Ich denke, das Leben kann jetzt auch für mich und meinen Sohn beginnen. Wir werden es bewusst leben und es sehr schätzen. Ich wünsche anderen Frauen, die das gleiche erlebt haben, von Herzen viel Kraft und Mut.

Ich weiß, dass auch sie nicht alleine sein werden!